Ferienwohnungen: Sechs Alt-Empordà-Gemeinden gegen Dekret

Ferienwohnungen: Sechs Alt-Empordà-Gemeinden gegen Dekret

Sechs Gemeinden im Alt Empordà, darunter Castelló d'Empúries, haben sich gegen die neuen Regeln der katalanischen Regierung für Ferienwohnungen ausgesprochen. Sie schließen sich damit einer größeren Gruppe von Küstengemeinden in der Provinz Girona an, die eine Überprüfung der Verordnung fordern.

Die Gemeinden im Alt Empordà sind Castelló d'Empúries, el Port de la Selva, Llançà, l'Escala, Roses und Sant Pere Pescador. An anderen Orten der Costa Brava haben Begur, Calonge i Sant Antoni, Castell d'Aro, Platja d'Aro i S'Agaró und Pals dieselbe Haltung eingenommen. Insgesamt haben inzwischen rund zehn Gemeinden im Raum Girona ein Manifest gegen das Dekret unterzeichnet. Mehrere haben zudem in ihren Gemeinderatssitzungen förmliche Anträge verabschiedet.

Was das Dekret vorsieht

Es geht um das Dekret 3/2023 der Generalitat, der katalanischen Regionalregierung. Nach dem Dekret könnten die Gemeinden wieder Lizenzen für Ferienwohnungen vergeben. In vielen Gemeinden wäre die Zahl der zulässigen Lizenzen allerdings sehr begrenzt.

Kritiker bemängeln, dass den Regeln belegte und begründete Daten fehlen. Außerdem argumentieren sie, das Dekret verstoße gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und biete keine Gewähr, dass es auch wirkt. Laut dem Manifest handelt es sich dabei um Grundprinzipien, denen jedes Gesetz folgen sollte.

Auch die Associació Turística d'Apartaments (ATA), die die Branche der Ferienwohnungen vertritt, lehnt das Dekret ab. Der Verband ist der Ansicht, dass die Verordnung die lokale Wirtschaft schwer treffen und zu einem Mangel an touristischen Unterkünften führen würde.

Drei neue Gemeinden im August

Zuletzt haben sich Pals, Llançà und el Port de la Selva dem Antrag angeschlossen. Sie reihen sich damit neben Castelló d'Empúries, Roses und Sant Pere Pescador ein, die ihre Unterstützung bereits zuvor erklärt hatten.

Llançà verabschiedete seinen Antrag am 3. August. Darin heißt es, dass legal genehmigte Ferienwohnungen Teil des Unterkunftsangebots der Stadt sind. Sie trügen dazu bei, das Reiseziel wettbewerbsfähig zu halten. Der Antrag fordert die Generalitat außerdem auf, Gespräche aufzunehmen.

El Port de la Selva billigte am 13. August eine ähnliche Erklärung. Die Gemeinde bezeichnete regulierte Ferienwohnungen als Grundpfeiler vieler Gemeinden. Tausende lokale Betriebe und Unternehmen hingen davon ab. Der Text weist zudem darauf hin, dass es diese Art der Unterkunft an der Costa Brava seit den 1960er-Jahren gibt und sie eine fest etablierte Tätigkeit ist. Wie Llançà will auch el Port de la Selva, dass das Dekret überprüft wird, und bittet um einen Dialog mit der Regionalregierung.

Sant Pere Pescador trat dem Manifest zur Verteidigung der HUTs am 5. August bei. HUT steht für „habitatges d'ús turístic“, die katalanische Bezeichnung für Wohnungen, die als Ferienunterkünfte vermietet werden. Im Text der Gemeinde heißt es, Entscheidungen über das Tourismusmodell eines Ortes sollten die sozialen Gegebenheiten und besonderen Bedürfnisse vor Ort berücksichtigen. Ferienwohnungen trügen außerdem dazu bei, den Tourismus über die Hauptsaison hinaus zu verteilen, und stützten ein nachhaltigeres Wirtschaftsmodell.

Rückendeckung vom Comarca-Rat

Die Kampagne hat auch die Unterstützung des Consell Comarcal de l'Alt Empordà gewonnen, des Comarca-Rats, der die Dienstleistungen für die Gemeinden der Region koordiniert. Zehn Bürgermeister der Costa Brava haben das Manifest unter dem Motto „Für ein ausgewogenes, reguliertes Tourismusmodell, das Wohlstand schafft“ unterzeichnet.

Das Dokument bezeichnet die regulierte Branche als Grundpfeiler vieler Gemeinden in den Comarques von Girona. Es enthält zudem eine Liste mit zehn Punkten, die die Gründe für ihre Verteidigung darlegt.

ATA-Treffen in Pals

Die ATA hielt ihr zweites Arbeitstreffen in Pals ab. Die Teilnehmer warnten, dass die Anwendung des Dekrets das Angebot an touristischen Unterkünften verringern würde. Das hätte erhebliche negative Folgen für die lokale Wirtschaft und den Tourismus.

Bei dem Treffen wurde auch betont, wie wichtig es sei, den Wert der Branche herauszustellen. Die Anwesenden sprachen über die neue europäische Verordnung zu diesem Thema und darüber, dass man „Lösungen finden“ müsse.

Unsere Einschätzung

Für Leser in Empuriabrava ist das keine abstrakte Debatte. Ferienvermietung gehört an den Kanälen und in Castelló d'Empúries zum Alltag, ob Sie eine Wohnung besitzen, eine vermieten, Immobilien verwalten oder einfach nebenan wohnen. Dass sich die Gemeinde dem Widerstand angeschlossen hat, deutet darauf hin, dass die Behörden vor Ort das Dekret als direkte Bedrohung für den Tourismus in der Gegend sehen.

Die Argumente der Gemeinden folgen einer bekannten Linie. Sie verweisen auf Arbeitsplätze, auf die lange Geschichte der Ferienwohnungen an der Costa Brava und auf die Rolle der Vermietung außerhalb der Sommermonate. Die Unterstützung des Consell Comarcal verleiht der Kampagne auf Comarca-Ebene mehr Gewicht.

Es lohnt sich zu beobachten, ob die Generalitat den von den Gemeinden geforderten Gesprächen zustimmt und ob sich weitere Gemeinden dem Manifest anschließen. Auch wie die neuen europäischen Regeln zum katalanischen Dekret passen, könnte den Ausgang beeinflussen. Für Eigentümer wird die entscheidende Frage sein, wie viele Lizenzen Castelló d'Empúries tatsächlich vergeben könnte, wenn das Dekret in seiner jetzigen Form angewendet wird.