Figueres: Comic-Ausstellung "D'Empúries a Spiderman
Das Museu de l'Empordà in Figueres eröffnet eine neue Ausstellung zur Geschichte des Comics in der Region. "D'Empúries a Spiderman. Narratives gràfiques a la perifèria" (Von Empúries bis Spiderman. Grafische Erzählungen an der Peripherie) zeigt, wie im Empordà Comics gezeichnet, gelesen und angesiedelt wurden, weit weg von den großen Verlagsstädten.
Die offizielle Eröffnung ist an diesem Samstag, dem 3. Oktober, um 11 Uhr. Erwartet werden die katalanische Kulturministerin Sònia Hernández und der Bürgermeister von Figueres, Jordi Masquef. Die Ausstellung läuft bis zum 10. Januar.
Von Capitán Trueno bis zu Fanzines
Kuratiert wird die Ausstellung von M. Mercè Cuartiella und Joan Manuel Soldevilla. Sie zeichnet die lange Tradition des grafischen Erzählens im Empordà nach, von den frühesten Formen bis zum heutigen Comic.
Zu sehen sind Veröffentlichungen aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen. Die Bandbreite reicht von bekannten Figuren wie El Capitán Trueno bis zu alternativen Werken im Selbstverlag, darunter die Fanzines Pus de iaia und Empordà Funeral.
Vorgestellt wurde das Projekt im Museum von Kulturstadträtin Mariona Seguranyes, Museumsdirektor Eduard Bech und den beiden Kuratoren.
Zwei Blicke auf das Empordà
Die Kuratoren nähern sich dem Thema aus zwei Richtungen. Der erste Blick kommt von innen. Er zeigt, wie eine Region am Rand der großen Verlagszentren trotzdem aktiv an der Comickultur teilhatte, als Ort, an dem Comics gelesen, und als Ort, an dem sie gemacht wurden. Die großen Umbrüche in der Comicgeschichte kamen auch im Empordà an, doch die Zeichner vor Ort brachten eigene Formen, Projekte und Sichtweisen ein.
Der zweite Blick kommt von außen. Er untersucht, wie Autoren ohne Bezug zur Gegend das Empordà als Schauplatz für ihre Geschichten genutzt haben. In diesen Werken erscheint die Region oft in Form bekannter Klischees.
Ein weiter Comicbegriff
Die Ausstellung fasst den Begriff der grafischen Erzählung weit. Nach Angaben des Museums reicht das Erzählen mit Bild und Text weit vor den modernen Comic zurück. Beispiele dafür sind prähistorische Kunst, griechische und römische Vasen und Mosaike, mittelalterliche Altarbilder, aztekische Steine, der Teppich von Bayeux und die "auques", traditionelle katalanische Bilderbögen mit gereimten Bildunterschriften.
Der moderne Comicstrip entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit der Industrialisierung und neuen Techniken. Er wurde zum Massenmedium, eng verbunden mit den Großstädten, in denen die Verlage saßen.
Die Ausstellung stellt diese Vorstellung infrage. Sie vertritt die These, dass die Comicwelt in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weniger zentralisiert ist. Als Beispiel dient das Empordà: Einer der führenden Comicverlage des Landes hat seinen Sitz in der Region und bringt international bekannte Figuren wie Superman und Spiderman heraus.
Vorträge, Führungen und ein Studientag
Das Museum hat ein Begleitprogramm zur Ausstellung vorbereitet. Die Kuratoren bieten Führungen am 10. Oktober (12 Uhr), 13. November (16 Uhr), 21. November (12 Uhr) und 12. Dezember (12 Uhr) an.
Am 14. November um 18 Uhr stellen Toni Benages-Gallard und Ricard Martín Cortada ihren Comic "L'altre Empordà" vor. Am 19. November um 19 Uhr hält Pere Parramon einen Vortrag über Geschlechteridentität bei Comichelden.
Außerdem findet ein Fachstudientag statt: "El còmic: noves mirades des de l'acadèmia, els museus i la recerca". Er geht auf eine Vereinbarung zurück, die die Stadt Figueres vor einem Jahr mit dem Lehrstuhl für zeitgenössische Kunst und Kultur der Universität Girona unterzeichnet hat. Die Sitzungen finden am 12. November um 17.30 Uhr in Girona und am 13. November von 9.30 bis 14 Uhr in Figueres statt.
Dabei geht es darum, wie Comics als Gegenstand von Forschung und Bewahrung Einzug in Museen, Universitäten und Kultureinrichtungen halten. Der Studientag richtet sich vor allem an Fachleute aus Museen, Kulturmanagement, Forschung und Lehre, steht aber auch der breiten Öffentlichkeit offen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung vorab unter cacc@udg.edu ist erforderlich.
Unsere Einschätzung
Für Leserinnen und Leser in Empuriabrava und Castelló d'Empúries ist das ein unkomplizierter Herbstausflug, für den man keine Kenntnisse über katalanische Comics braucht. Schon der Titel verbindet die antike griechische Stätte Empúries mit einem modernen Superhelden, und das deutet auf eine Ausstellung hin, die ein breites Publikum ansprechen soll.
Sie passt auch in eine lebhafte Kultursaison in Figueres, wo es zuletzt ein gut besuchtes Zauberfestival und einen Tag der offenen Tür auf der Burg gab. Die Stadt scheint entschlossen, sich über das Dalí-Museum hinaus ein Profil zu geben.
Es lohnt sich zu beobachten, ob aus der Zusammenarbeit mit der Universität weitere Comicprojekte in der Gegend hervorgehen und wie viele internationale Besucher die Ausstellung bis zu ihrem Ende am 10. Januar anzieht.
